Donnerstag, 20. November 2008, 16:57:03 Uhr, NZZ Online
tox. Die Epilepsieklinik Zürich ist mit 40 Betten für heutige Verhältnisse ein kleines Spital. Um langfristig wirtschaftlich arbeiten zu können, sah sich die Schweizerische Epilepsie-Stiftung nach einem Partner um. Gefunden hat sie ihn in der Stiftung Zürcher Höhenkliniken, wie Stiftungsratspräsident Thomas Wagner am Dienstag an einer Medienkonferenz bekanntgegeben hat. Geplant ist bis im Jahr 2012 ein Akutspital mit rund 100 Betten, in dem sowohl Patienten mit Schlaganfällen oder Hirninfarkten als auch solche mit Epilepsie behandelt werden. Die beiden Stiftungen hätten soeben eine Absichtserklärung zur Gründung einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft unterzeichnet, sagte Wagner. Ob das bestehende Spital erweitert wird oder ob ein Neubau in Angriff genommen wird, ist offen.
Die Zürcher Höhenkliniken betreiben heute Rehabilitationskliniken in Wald und Davos sowie ein Ambulatorium in Zürich. Die 54 Betten, die in Wald für die Neurorehabilitation reserviert sind, decken aber nur einen Drittel der Nachfrage aus Stadt und Kanton. Weil es im Kanton Zürich keine andere Neurorehabilitationsklinik gibt, müssen Schlaganfallpatienten heute oftmals in anderen Kantonen behandelt werden. Mit dem geplanten Akutspital will die Höhenklinik ihre Betten näher zu den Patienten holen.
Dass die Rehabilitationskliniken meist weitab der Zentren in den Bergen liegen, hat historische Gründe. Früher schickte man vor allem Lungenpatienten gern in die gesunde Bergluft zur Erholung. Diese über hundertjährige Tradition ergibt allerdings für Schlaganfallpatienten keinen Sinn. Hier muss die Rehabilitation möglichst früh einsetzen. Dazu seien die Voraussetzungen in Zürich besser als in Wald, weil die Zusammenarbeit mit den Spitälern vor Ort einfacher sei, sagte Bernhard Gubler, Präsident der Zürcher Höhenkliniken. Für die Angehörigen gestalteten sich die Besuche einfacher, und Personal sei in Zürich leichter zu finden. Synergien erwarten die beiden Partner vor allem in betrieblicher Hinsicht, aber auch medizinisch gibt es Berührungspunkte. So entwickeln etwa manche Schlaganfallpatienten auch eine Epilepsie.
Die kantonale Gesundheitsdirektion, von deren Unterstützung das Projekt abhängig ist, habe «sehr positiv» auf den Schulterschluss reagiert, sagte Wagner. Die Epilepsieklinik verschaffe sich damit eine gute Ausgangslage, um ihren Platz auf der Spitalliste des Kantons zu verteidigen. Auch die Stadt Zürich und das Universitätsspital begrüssten den Zusammenschluss. Als Nächstes werde ein Entwicklungsplan in Auftrag gegeben. Wie das neue Spital dereinst heissen wird, ist noch offen. Die Höhenklinik Wald will sich künftig auf die Behandlung anderer Rehabilitationspatienten konzentrieren (Lunge, Herz/Kreislauf). Längerfristig strebe die Stiftung eine Reduktion der Betten von 144 auf 110 bis 120 an, sagte Gubler. Ein Personalabbau sei nicht vorgesehen.
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