Donnerstag, 20. November 2008, 16:15:19 Uhr, NZZ Online
Zufällige Entdeckung von Forschern aus den USA
(dpa) Bei der Suche nach fernen Sternexplosionen sind Astronomen zufällig auf einen «verhinderten» Kometen in unserem Sonnensystem gestossen. Der 30 bis 60 Kilometer grosse Eis- und Gesteinsbrocken mit dem wissenschaftlichen Namen 2006 SQ372 kreist auf einer ungewöhnlich langgestreckten, stark eiförmigen Bahn um die Sonne, wie der Astronom Andrew Becker von der Universität Washington am Montag an einer Fachtagung in Chicago sagte. «Er ist im Wesentlichen ein Komet, kommt der Sonne aber nie nahe genug, um einen langen, hellen Schweif aus verdampftem Gas und Staub zu entwickeln». Abgesehen vom – deutlich grösseren – Zwergplaneten Sedna ist das Objekt laut den Forschern das einzige bekannte mit einer derartigen Bahn.
Derzeit befindet sich der Himmelskörper etwa auf der Höhe des Planeten Neptun und fliegt nun in die dunklen Aussenbezirke unseres Sonnensystems. Nach Berechnung der Astronomen wird er sich bis auf rund 240 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernen – das ist etwa die 1600 Mal so weit wie die Distanz Erde-Sonne. Erst in 22 000 Jahren wird er wieder sichtbar sein.
Die Beobachtung sei ein weiterer Hinweis auf die Existenz der Oortschen Wolke, einer «Trümmerhalde» aus eisigen Asteroid-artigen Himmelskörpern, die bei der Entstehung unseres Sonnensystems übriggeblieben sein soll, sagten die Forscher in Chicago. Die Beobachtung soll bald im Astrophysical Journal veröffentlicht werden. Die Astronomen waren mit dem Teleskop des «Sloan Digital Sky Surveys» eigentlich auf der Suche nach explodierenden Sternen in fernen Galaxien, als sie auf das ungewöhnliche Objekt 2006 SQ372 stiessen.
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Neuer «Planet» im Sonnensystem
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