Dienstag, 06. Januar 2009, 02:04:39 Uhr, NZZ Online
us. Tokio, 19. August
Seit einigen Monaten steht fest, dass die japanische Zentralbank die konjunkturelle Abkühlung als gefährlicher betrachtet als den inflationären Auftrieb. Somit vermochte es auch nicht zu überraschen, dass am Dienstag die Bank of Japan den Leitzins bei 0,5% beliess. Der Entscheid erfolgte einstimmig. Vor Medienvertretern gab der Gouverneur der Notenbank, Masaaki Shirakawa, eine sehr zurückhaltende Beurteilung der gegenwärtigen Wirtschaftslage. Zum zweiten Mal in Folge hat die Notenbank die Aussichten für die bevorstehende Wirtschaftsentwicklung nach unten korrigiert. Die Bank of Japan vermerkt, dass die japanische Wirtschaft wegen Inflation und wegen weniger Exporten träge bleiben werde.
Die japanische Volkswirtschaft wird nach Meinung der Zentralbank durch hohe Energie- und Rohmaterialpreise sowie durch schwache Exporte in Mitleidenschaft gezogen. Besondere Risiken machen die Experten sodann im internationalen Finanzsektor sowie in der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft aus. Die USA sind für Japans Exportindustrie nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt, und eine konjunkturelle Abschwächung in Amerika schlägt deshalb besonders spürbar auf die japanische Wirtschaftsleistung durch.
Wie die Regierung vergangene Woche bekanntgab, ist Japans Wirtschaft im zweiten Quartal real um 2,4% (annualisiert) geschrumpft. Danach gab es einzelne Stimmen, die eine Reduktion des ohnehin schon tiefen Leitzinses für möglich hielten. Der «Nullentscheid» zeigt indessen, dass die Bank eine delikate Balance zwischen dem Bedürfnis nach Stimulierung des Wirtschaftswachstums und der Notwendigkeit, die Inflation zu bekämpfen, wahren will.
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