Mittwoch, 20. August 2008, 14:55:29 Uhr, NZZ Online
wec. Der Mai war im ganzen Land deutlich zu warm, auf der Alpennordseite sehr sonnig und trocken, im Süden dagegen nass und etwas zu trüb. Das vorherrschende Hochdruckwetter in der ersten Monatshälfte brachte besonders der zentralen und östlichen Alpennordseite ausserordentlich viel Sonnenschein. Vom Bodensee bis nach Schaffhausen wurden in dieser Zeit bis zu 90 Prozent der erreichbaren Sonnenscheindauer gemessen. Nach einer Übergangsphase mit flacher Druckverteilung, verbunden mit einer markanten Zunahme der Gewittertätigkeit, stand der Wetterablauf in der zweiten Monatshälfte unter vorwiegendem Tiefdruckeinfluss mit häufigen Föhnlagen. Ein für die Jahreszeit ausserordentlich starker Föhnsturm brachte an einigen Messorten neue Windspitzenrekorde für den Monat Mai.
Mit der starken südlichen Höhenströmung wurden gleichzeitig grosse Mengen Wüstensand aus der Sahara und sogar Olivenpollen aus Südeuropa in den Alpenraum verfrachtet. In den Föhngebieten stiegen die Temperaturen bis auf 31 Grad Celsius, und im Urner Reusstal sank die Temperatur an zwei aufeinanderfolgenden Nächten nicht unter 20 Grad Celsius. Die Temperaturen lagen während des ganzen Monats meist über der mehrjährigen Norm und brachten den meisten Gebieten der Alpennordseite ausserordentlich hohe Wärmeüberschüsse von deutlich über 3 Grad Celsius. In den höheren Berglagen, im Südwallis, im Goms und im Engadin betrugen die positiven Abweichungen 2 bis 3 Grad Celsius. Im Tessin und in den Bündner Südtälern war der Mai 1,5 bis 2 Grad zu warm.
Die häufigen und teilweise ergiebigen Stauniederschläge in der zweiten Monatshälfte brachten der gesamten Alpensüdseite, dem Oberengadin, dem Saaser- und Mattertal und dem Goms meist 100 bis 150 Prozent, vereinzelt auch bis zu 180 Prozent der Norm. Nördlich der Alpen fiel mit der dominierenden Südströmung auch in der zweiten Monatshälfte wenig Niederschlag. Fehlende Nordstaulagen, ausbleibende Gewitterregen und die in nur abgeschwächter Form durchziehenden Fronten sorgten dafür, dass am Alpennordhang – mit nur 15 bis 40 Prozent der Norm – der trockenste Mai seit 1864 verzeichnet wurde. Während im westlichen Jura, im Mittelland und im Raum Basel 70 bis 100 Prozent gemessen wurden, fielen in den übrigen Gebieten der Alpennordseite nur 15 bis 60 Prozent der Normalsummen.
Am sonnigsten war der Mai am zentralen und östlichen Alpennordhang und im Mittelland östlich der Emme. In diesen Gebieten erreichte die Besonnung zwischen 130 und 150 Prozent der mehrjährigen Norm. Der Jura, die Westschweiz, die Alpen und das Bündnerland verzeichneten 100 bis 120 Prozent der normalen Sonnenscheindauer. Auf der Alpensüdseite hingegen verursachte die häufige Staubewölkung ein leichtes Sonnenscheindefizit von bis zu 10 Prozent.
Anfang Mai steuerte ein Tief nordwestlich der Britischen Inseln mit einer zonalen Höhenströmung kleine Staffeln feuchter Kaltluft in den Alpenraum. Bis zum Mittag fielen verbreitet Niederschläge, dann nur noch den Voralpen entlang. In den Bergen wurden am Morgen 10 bis 25 Zentimeter Neuschnee gemessen. Vom 2. an bestimmte ein flaches Hoch mit Kern über der Nordsee für das ganze erste Monatsdrittel den Wetterablauf. Von zunächst noch etwas stärkerer Bewölkung dem Alpennordhang entlang abgesehen, herrschte in der übrigen Schweiz sonniges Wetter mit kräftig ansteigenden Temperaturen. In Sitten wurde am 4. mit 25,0 Grad Celsius landesweit der erste Sommertag des Jahres registriert. Im Mittelland verzögerte eine schwache, am 5. auch starke Bise mit Böenspitzen von bis zu 50 Kilometern in der Stunde die Erwärmung. Südlich der Alpen stiegen die Temperaturen bei ebenfalls sonnigem Wetter allmählich auf 24 Grad Celsius an. Am 10. spätabends fielen im Tessin und im Misox verbreitet kräftige Regenschauer. Vom 11. an gelangte die Schweiz unter flacher Druckverteilung zunehmend in den Einflussbereich einer Tiefdruckzone über Südwesteuropa. Bei weiterhin sonnigem Wetter bildeten sich am Nachmittag Quellwolken. Am 11. nachmittags traten in der ganzen Schweiz, am 14. im Nordwesten des Landes zahlreiche Schauer und Gewitter auf. An den übrigen Tagen regnete und gewitterte es nur vereinzelt.
Vom 15. bis zum 19. verlagerte sich ein flaches Tief über Mitteleuropa ostwärts. Bei nur teilweise sonnigem Wetter und zunächst leichter Föhntendenz fielen häufige, am 15. und 16. auch von Gewittern begleitete Niederschläge. Südlich der Alpen war es meist bedeckt, und es fielen häufige, am 17. sehr ergiebige Niederschläge (in Magadino allein 123 Liter pro Quadratmeter). Ein weiteres Tief über Oberitalien steuerte Anfang des letzten Monatsdrittels weiterhin feuchte Luft zur Alpensüdseite und verursachte bei meist bedecktem Wetter weitere Niederschläge. Über der Alpennordseite lag zeitweise eine Hochnebelschicht, und mit Bise stiegen die Temperaturen am 21. auf nur 12 bis 16 Grad Celsius.
Nach kurzem Zwischenhocheinfluss mit recht viel Sonne baute sich im Vorfeld eines Tiefs über der Biskaya eine kräftige Föhnlage auf. Während in den östlichen Landesteilen der Föhn für grössere Aufhellungen sorgte, war es im Westen stärker bewölkt. In der zweiten Tageshälfte gab es auch gebietsweise Schauer und Gewitter. Die Temperaturen erreichten tagsüber 26 Grad Celsius. Auf der Alpensüdseite fiel bei meist bedecktem Wetter und Temperaturen von nur 13 bis 20 Grad Celsius bis zum 26. mässiger Dauerregen. Den Höhepunkt erreichte der Föhn am 27. und 28. In den Föhngebieten stiegen die Temperaturen auf 31 Grad Celsius, und der ausserordentlich kräftige Föhnsturm erreichte Geschwindigkeiten von verbreitet über 100 Kilometern in der Stunde. In Glarus wurde ein Spitzenwert von 136 Kilometern in der Stunde gemessen, und in Brienz war es mit 132 Kilometern in der Stunde der stärkste Föhnstoss seit 1992. Der in grosser Höhe herangeführte Saharastaub zeigte sich in Form einer gut sichtbaren Verfärbung der Atmosphäre. Südlich der Alpen und im Oberwallis traten Schauer und Gewitter auf.
Bis Ende Mai erstreckte sich das Biskayatief bis ins Mittelmeer und steuerte aus Südosten feuchtwarme Gewitterluft nach Mitteleuropa. Im Osten blieb es ziemlich sonnig und 30 Grad warm. Im Mittelland der Alpennordseite zogen am 29. und 30. nachmittags und abends aus Südosten kräftige und zum Teil von Hagel begleitete Gewitterregen auf. Auf der Alpensüdseite blieb es regnerisch und gewitterhaft, am 31. trat eine langsame Wetterberuhigung ein.
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