Dienstag, 06. Januar 2009, 06:48:26 Uhr, NZZ Online
Iberer fegen im 2008 im Spitzensport den ganzen Gabentisch leer
wag. Samuel Sanchez ist kein Siegfahrer. Bevor er nach Peking reiste, hatte er in dieser Saison nur ein kleines Zeitfahren gewonnen. Doch vielleicht hatte er auch nur auf die richtig grossen Anlässe gewartet, wie seine spanischen Berufskollegen auch. Der Giro d'Italia ging an Alberto Contador, Lüttich–Bastogne–Lüttich an Alejandro Valverde, die Tour de France an Carlos Sastre. Und nun gelang auch noch Sanchez mit olympischem Gold ein Coup.
Olympiasieger Samuel Sanchez hat eine Erklärung für die spanischen Erfolge in diesem Jahr: «Wir haben eine grosse staatliche Unterstützung – und die wahre Liebe zum Sport.» Das kann durchaus so sein. Nur kommt einem auch die ungelöste Dopingaffäre rund um den ehemaligen Gynäkologen Eufemiano Fuentes in den Sinn. Sowohl Contador als auch Valverde zählten gemäss Indizien zu den Kunden. Im Falle von Sanchez ist das Dopingregister aber noch ohne Befunde. Und während seiner neunjährigen Karriere im baskischen Profiteam Euskaltel drangen nie Verdächtigungen nach aussen. Sanchez ist also ein durchaus genehmer Olympiasieger.
Am Samstag zeigte das spanische Team ein perfektes Rennen. Lange hielt es sich zurück, liess die Italiener den Grossteil der Arbeit machen. In der zweitletzten Runde erst spannten sich die Spanier vor das Feld, und zwar gleich zu viert. Es galt, die letzten Ausreisser zu stellen und danach mit einer horrenden Tempofahrt die Gruppe zu sprengen.
Sanchez ging mit, als der Luxemburger Andy Schleck im letzten Umgang attackierte. Es sollte der richtige Moment gewesen sein. Der 30-jährige Sanchez ist der erste spanische Sieger in einem olympischen Strassenrennen und trotzdem bescheiden. An der Pressekonferenz im Schatten der Chinesischen Mauer hob er vor allem die «grossartige Arbeit» des Teamcaptains Carlos Sastre hervor.
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