Dienstag, 06. Januar 2009, 10:40:07 Uhr, NZZ Online
Der Schweizer Daniel Hubmann gewinnt an den OL-WM die Goldmedaille
Von Thomas Scholl, Olmütz (Tschechien)
Anfangs sah es nicht nach einem Triumph aus. Daniel Hubmann konnte als Letzter zum Final starten, suchte schon den zweiten Posten und war dort mit zwei Minuten Rückstand nur 24. Immerhin traf er bereits den zwei Minuten vor ihm gestarteten Schweden Mats Troeng, dem es noch schlechter ergangen war. In der Folge wurde Hubmann immer sicherer und gewann Rang um Rang.
Auf dem Herzstück der Strecke, dem mehr als drei Kilometer langen Teil von Posten 15 zu 16, wählte er die nördliche Route, die zwar mehr Auf und Ab enthielt, aber vorwiegend über Wege führte, so dass er seine Laufstärke ausspielen konnte. Bei der ersten Zielpassage, eine Viertelstunde vor dem Ende, hörte er, dass er noch 20 Sekunden hinter dem führenden Norweger Anders Nordberg, dem WM-Dritten des Vorjahres, lag.
Da wuchsen dem Schweizer Flügel. Zu acht der zehn restlichen Posten lief er die schnellste Zeit, während der Norweger nervös wurde und zwei heikle Posten im Dickicht nicht auf Anhieb fand, so dass Hubmann schliesslich mit mehr als einer Minute Vorsprung gewann. Seine Erleichterung über den Erfolg war spürbar, aber er sagte auch gelassen: «Ich wäre nicht verzweifelt, wenn es wieder nicht gereicht hätte – ich bin erst 25-jährig und habe noch Zeit.» Ein besonders reizvolles Ziel ist eine WM vor heimischem Publikum. 2012 ist es so weit, denn der Anlass wurde am Freitag der Schweiz definitiv zugesprochen und wird voraussichtlich mit Zentrum in Lausanne stattfinden.
Zwei andere Schweizer, Matthias Merz, der Gewinner im Vorjahr, und Marc Lauenstein, der 2005 und 2006 Zweiter gewesen war, stiessen physisch an ihre Grenzen. Obwohl ihnen kaum Fehler unterliefen, verloren sie konstant Zeit auf die Besten. Beide hatten in den letzten Monaten wegen Verletzungen und Krankheit nicht voll trainieren können.
Zur Freude des einheimischen Publikums gewann die Tschechin Dana Bro?ková die Prüfung der Frauen. Als Zwölfte der Weltrangliste hatte sie nicht zum engsten Favoritenkreis gezählt. Nach dem Rennen wurde gemunkelt, sie habe stark von der Norwegerin Anne Margrethe Hausken profitiert, welche sie am ersten Posten eingeholt hatte. Immerhin löste sich die Tschechin wieder von ihr. Nach zwei Dritteln der Strecke schlossen sich die beiden aber definitiv zusammen, wobei Hausken mehrheitlich führte. Nicht zum ersten Mal wurde so eine WM durch Gruppenbildung entschieden.
Gefördert werden solche Erscheinungen durch das vor einigen Jahren von drei auf zwei Minuten reduzierte Startintervall für die Langdistanz, eine Konzession an Publikum und Fernsehen. Eine Gegenmassnahme, um Paare zu trennen – Schlaufen, die in unterschiedlicher Reihenfolge zu absolvieren sind –, gab es nur bei den Herren. Die drei Schweizerinnen Seline Stalder, Caroline Cejka und Angela Wild blieben mit Rängen zwischen 12 und 22 im Rahmen ihrer läuferischen und technischen Möglichkeiten. Die beiden stärksten Teammitglieder, Vroni König und Lea Müller, wurden im Hinblick auf die Staffel nicht eingesetzt.
Der bisherige WM-Verlauf hat gezeigt, dass Mittel- und Osteuropäer, besonders Franzosen, Schweizer, Tschechen und Russen, in eigenem Gelände den Nordeuropäern mindestens ebenbürtig sind. Das ergibt eine interessante Ausgangslage für die abschliessende Staffelprüfung vom Sonntag.
Männer (17,3 km/750 m HD/36 Posten): 1. Daniel Hubmann (Sz) 1:36:08. 2. Anders Nordberg (No) 1:15. 3. François Gonon (Fr) 1:57. 4. Andrej Chramow (Russ) 1:57. 5. Matthias Merz (Sz) 3:39. 6. Marian Davidik (Slk) 4:07. 7. Topi Anjala (Fi) 4:09. 8. Olle Kärner (Est) 4:10. 9. Martin Johansson (Sd) 4:30. 10. Jamie Stevenson (Gb) 4:41.- 14. Marc Lauenstein (Sz) 6:12.
Frauen (11,9/440/36): 1. Dana Brozkova (Tsch) 1:24:26. 2. Marianne Andersen (No) 0:43. 3. Annika Billstam (Sd) 1:02. 4. Anne Margrethe Hausken (No) 1:48. 5. Signe Soes (Dä) 2:59. 6. Sofie Johansson (Sd) 3:43. 7. Minna Kauppi (Fi) 3:48. 8. Eva Jurenikova (Tsch) 5:13. 9. Emma Engstrand (Sd) 5:46. 10. Liisa Anttila (Fi) 6:19. - 12. Seline Stalder (Sz) 7:33. 19. Caroline Cejka (Sz) 9:57. 22. Angela Wild (Sz) 12:26.
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