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  • 15. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Demütigung auf Polnisch

    Demütigung auf Polnisch

    GC unterliegt in der Uefa-Cup-Qualifikation gegen Lech Poznan 0:6

    GC-Akteur Fabio Daprela (links) kämpft gegen eine polnische Übermacht. GC-Akteur Fabio Daprela (links) kämpft gegen eine polnische Übermacht. (Bild: Reuters)
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    Die Zürcher haben sich den Gang zum Vierten der abgelaufenen Spielzeit in Polen zweifellos etwas anders vorgestellt. Während sie mit dem UI-Cup bereits acht Saisonspiele absolvierten, ist das Ensemble von Lech Poznan erst vor einer Woche in die neue Saison eingestiegen. Nach vierzehn Minuten aber war der Match vor einem lautstarken Publikum bereits entschieden.

    Von Flurin Clalüna, Poznan

    Es lief die 76. Minute, als alles noch viel schlimmer kam, als die Panne zum Totalschaden wurde. Davor hatte sich GC-Goalie Jakupovic dreimal erfolgreich mit Armen, Händen und Füssen allein gegen anstürmende Gegner gewehrt. Aber gegen das Eigentor von Vallori war auch er ohnmächtig. 0:4 stand es, die Grasshoppers waren längst gebrochen, aber die Demütigung ging weiter, immer weiter.

    Schon lange sangen die 16'000 Zuschauer im Stadion «Zürich auf Wiedersehen». In der 84. Minute war es der eingewechselte Injac, der das 5:0 erzielte, wenige Minuten später traf Peszko zum 6:0. Für das Uefa-Cup-Qualifikations-Rückspiel in zwei Wochen kann GC-Trainer Latour getrost ein Juniorenteam nach St. Gallen schicken; es geht um nichts mehr, höchstens um die Ehre, die am Donnerstagabend in Westpolen verloren ging. Das 0:6 war die höchste Europacup-Niederlage der Grasshoppers in ihrer Geschichte. So absurd es klingen mag: Die Zürcher hätten auch noch höher verlieren können.

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    Mit Raul Bobadilla kam die trügerische Hoffnung, denn vor ihm hatte sich Lech Poznan gefürchtet. Ohne ihn, hatten die polnischen Verantwortlichen gesagt, seien die Grasshoppers eine durchschnittliche Truppe, nicht viel mehr. Und was die Zürcher aufführten, gab der polnischen Einschätzung recht: Ohne Bobadilla war GC nicht nur mittelmässig, sondern schwach, 0:2 lagen sie nach verheerenden 14 Minuten zurück.

    In der ersten Halbzeit hatte der Stürmer überraschend nur auf der Ersatzbank gesessen, nun tänzelte er ungeduldig am Anspielkreis und wartete darauf, losgelassen zu werden. Die Zeit, sich vorführen zu lassen, sollte nun vorbei sein. Aber auch mit dem Argentinier wurde nichts besser, auch mit ihm schlitterten die Grasshoppers in eine Demütigung mit Seltenheitswert. Vor allem der verletzte Smiljanic fehlte der fehleranfälligen Abwehr.

    Vielleicht war das Spiel der Zürcher zu Beginn der zweiten Halbzeit ein paar Minuten lang ein wenig strukturierter, ein bisschen weniger schüchtern und fehleranfällig. Zuber hatte eine Chance (54.), Salatic und Bobadilla verpassten das Tor mit Distanzschüssen. Aber den Gesamteindruck konnten die Grasshoppers nie verwischen – wie von einem D-Zug waren sie überrollt worden. Poznan war die deutlich bessere Mannschaft, dynamischer, direkter, in jeder Hinsicht überlegen. Und als GC ein bisschen stärker wurde, erzielte Lewandowski nach einem Pfostenschuss das 3:0. Der Rest war für den GC ein unendlich langer Leidensweg mit drei weiteren Gegentoren.

    Hanspeter Latour stapfte durch die Coaching-Zone, als trüge er Militärstiefel aus den sechziger Jahren. Seine Bewegungen waren so unbändig, als würde er vor seinem Ferienhaus im Berner Oberland Holz hacken, um den Alltagsstress abzureagieren. Jedem seiner Spieler hatte er trotz der imposanten Lärmkulisse etwas mitzuteilen; da war so vieles, was ihm nicht gefallen hatte.

    Wäre dieses Spiel ein Selbstverteidigungskurs gewesen, die Grasshoppers wären alle nicht zur Abschlussprüfung zugelassen worden, so hilflos stellten sie sich an. Die Startviertelstunde war noch nicht vorüber, und bereits lagen die Zürcher 0:2 im Rückstand. Das Beste war noch, dass dem zweiten Treffer durch Lewandowski ein Abseitsverdacht anhaftete.

    Aber sonst konnten die Zürcher kaum mildernde Umstände für ihre Überforderung geltend machen. Ohne den verletzten Abwehrchef Smiljanic verloren sie komplett die Orientierung. Schon in der vierten Minute traf der Peruaner Rengifo mit einem Kopfball; Daprelà hatte die Flanke nicht verhindert, Voser stand nur in der Nähe des Torschützen, griff aber nicht ein. Es waren Sinnbilder für die Hilflosigkeit, die die Zürcher an diesem Abend während der gesamten Spieldauer nicht ablegen konnten.

    Lech Poznan - Grasshoppers 6:0 (2:0)

    Miejski. - 16'000 Zuschauer (ausverkauft). - Schiedsrichter: Vejlgaard (Dänemark). - Tore: 4. Rengifo 1:0. 14. Lewandowski 2:0. 57. Lewandowski 3:0. 76. Vallori (Eigentor) 4:0. 84. Injac 5:0. 88. Peszko 6:0.

    Lech Poznan: Kotorowski; Wojtkowiak, Bosacki, Arboleda, Henriquez; Lewandowski (80. Injac); Stilic (90. Cueto), Peszko, Murwaski, Bandrowski; Rengifo (86. Reiss).

    Grasshoppers: Jakupovic; Voser, Vallori, Colina, Daprela (85. Mikari); Salatic; Callà (46. Zuber), Cabanas, Lulic; Toure (46. Bobadilla); Sabanovic.

    Bemerkungen: Grasshoppers ohne Dos Santos, Feltscher, Smiljanic, Sutter und Zarate (alle verletzt). 57. Pfostenschuss Stilic, Lewandowski verwertet den Abpraller zum 3:0. Verwarnungen: 39. Lulic (Foul), 39. Salatic (Foul).


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