Mittwoch, 07. Januar 2009, 01:09:14 Uhr, NZZ Online
gel. Zug, 18. August
Der EV Zug träumt davon, in zwei Jahren im neuen Eisstadion Spitzeneishockey zu inszenieren. Vorher erwartet die Zentralschweizer eine Durststrecke von zwei Saisons, während deren der Gesellschafter der NLA den Anschluss an die Spitze «nicht verlieren will und darf» (Präsident Roland Staerkle). Konsequenz in der Praxis: Im kommenden Winter steigt der Aufwand in der Rechnung der EVZ Sport AG für die erste Mannschaft und anderes um mehr als 1 Mio. auf 11,2 Mio. Fr. Die Erfolgsrechnung geht bei vorsichtig kalkulierten Einzelpositionen von einem Verlust von 345 000 Fr. aus.
Im Vergleich mit dem europäischen Spitzenfussball haben solche Fehlbeträge den Charakter einer Topfkollekte. Es spricht indes für die Solidität der Zuger, im Jahr nach dem 40-Jahr-Jubiläum das finanzielle Gleichgewicht bewahren zu wollen. Im letzten Winter resultierte bei 9,82 Mio. Aufwand ein Reingewinn von 5200 Fr., eine schwarze Null im Rahmen des Vorjahres 2006/07. Die finanzielle Standfestigkeit ist positiv, sie vermag aber Probleme des EVZ nicht zu übertünchen.
Im letzten Winter vergrösserte sich die Differenz in der Erfolgsrechnung zwischen Aufwand und Ertrag gegenüber dem Vorjahr auf 400 000 Fr. In der baufälligen Herti-Eishalle sind die kommerziellen Möglichkeiten begrenzt, die Besucher meiden mangels Komfort den grauen Bau. Der EVZ löste im letzten Winter an den Kassen 3,69 Mio., aus Werbung 4,04 Mio., und von Gönnern stammten 1,03 Mio. Der Personalaufwand betrug 7,3 Mio., Trainings-/Spielbetrieb kosteten 1,2 Mio.
Die schwarze Null ermöglichten Transfers, nicht zuletzt der Abgang von Oleg Petrow in die russische Liga. Der Transfererlös betrug 300 000 US-Dollar, dazu kamen eingesparte Lohnanteile für den Flügel. Vor diesem Hintergrund vermochte der Verein das nicht kalkulierte Salär von Rückkehrer Patrick Fischer aufzufangen. Generell haben die Zuger finanziell wenig Raum für Manöver. In der Bilanz der AG per 30. April 2008 figurieren 788 000 Fr. Eigenkapital. Dies bedeutet eine zu dünne Decke im Vergleich etwa zu 1,81 Mio. kurzfristigem Fremdkapital. Die Transferrechte und Ausbildungsentschädigungen der Spieler sind unverändert mit 1,63 Mio. aktiviert.
Insgesamt wählt der EVZ den Vorwärtsgang mit dem Ziel, sich in den ersten vier der Liga zu konsolidieren. Dazu kommt ein neuer Patron mit dem temperamentvollen Coach Doug Shedden (Kanada), plus drei neue Ausländer, von denen der kanadische Verteidiger Jay Harrison wegen Diskushernie bisher kaum im Rink stand. Zuverlässiger präsentiert sich die finanzielle Absicherung.
Der Verein ging mit der Zuger Kantonalbank als Generalsponsor einen Vertrag bis 2015 ein, bei einem jährlich Betreffnis von rund einer halben Million Franken. Zusätzlich stellt der lokale Bank-Leader dem EVZ fürs neue Stadion einen Investitionsbetrag von 3 Mio. Fr. zur Verfügung, nach Obmann Staerkle à fonds perdu. Die Kontinuität des Vertrags steht für eine gewisse Qualität in der Zuger Führung, die reelle Aussichten hat, in der neuen Arena die Gastronomie-Rechte übernehmen zu können.
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