[Alt + 1] zur Startseite [Alt + 2] zum Seitenanfang [Alt + 3] zur allgemeinen Navigation [Alt + 4] zur Hauptnavigation [Alt + 5] zum Inhalt [Alt + 6] zu Tipps, Hinweise und Kurzinfos [Alt + 7] zur Suche [Alt + 8] zum Login von MyNZZ [Alt + 9] zur Fusszeile
.
  • 20. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Aufruf zum «botellón» formell zurückgezogen

    Aufruf zum «botellón» formell zurückgezogen

    «Organisator» ändert Eintrag im Internet

    Toolbox
    Druckansicht
    Der Lehrling, der im Internet zu einem «botellón» in Zürich aufgerufen hat, distanziert sich inzwischen von seinem Vorhaben. Der Stadtrat legt seine Haltung an der heutigen Sitzung fest.

    -yr./luc. Liberale Geister werden wieder einmal auf eine schwierige Probe gestellt. Muss wirklich jeder Jux mit Hinweis auf die Selbstverantwortung und die Entscheidungsfreiheit des Individuums toleriert werden, unabhängig von den absehbaren Schäden und Kosten, die dadurch der unbeteiligten Allgemeinheit aufgebürdet werden? Vielleicht hängt die Antwort in diesem ordnungspolitischen Dilemma auch davon ab, wie nahe jemand am Geschehen ist. Jedenfalls hat sich die Stadtzürcher FDP, die mit dem Zusatz «Wir Liberalen» ausgestattet ist, unter Federführung ihres im Seefeld verankerten Präsidenten Urs Egger dezidiert gegen den geplanten «botellón» am Zürichhorn ausgesprochen.

    Anzeige
    .
    .

    FDP sagt Nein, Blaues Kreuz Ja

    Die FDP verurteile sinnlose Massenbesäufnisse, heisst es in einer am Dienstag verbreiteten Stellungnahme. Es gehe nicht an, zu Sauforgien aufzurufen, eine Wiese in Beschlag zu nehmen und eine Verwüstung zu hinterlassen. Es belaste die ganze Gesellschaft, wenn sich ins Koma trinkende Jugendliche Gesundheitskosten verursachen oder die öffentliche Sicherheit gefährden. Die Stadtzürcher FDP unterstützt deshalb die ablehnende Haltung von Polizeivorsteherin Esther Maurer. Diese will die geplante Veranstaltung wegen gesteigerten Gemeingebrauchs von öffentlichem Grund unter Bewilligungspflicht stellen. Dem heute Mittwoch tagenden Stadtrat beantragt Esther Maurer, die Bewilligung nicht zu erteilen.

    Demgegenüber gibt sich der Kantonalverband des Blauen Kreuzes erstaunlich moderat. Die gemeinnützige Organisation, die in der Prävention von Alkoholproblemen tätig ist, akzeptiert den geplanten «botellón» unter bestimmten Bedingungen. Eine solche Veranstaltung ist nach Ansicht des Blauen Kreuzes Teil einer Gesellschaftsordnung, die friedliche Versammlungen unter freiem Himmel ermöglicht. Alkoholische Getränke gehörten zu unserer Festkultur und sollten konsumiert werden dürfen. Doch müssten die Jugendschutzvorschriften eingehalten werden. Ausserdem sei die medizinische Versorgung der zu erwartenden «Alkoholleichen», die Entsorgung von Flaschen und Scherben und der Einsatz von Sicherheitspersonal zur Vermeidung von Gewalttätigkeiten sicherzustellen.

    Inzwischen versucht der 17-jährige Lehrling aus dem Zürcher Oberland, die Geister wieder zu vertreiben, die er mit seinem Eintrag im Internet-Netzwerk «Facebook» gerufen hat. Offenbar haben ihn seine Eltern dazu ermuntern können, sich vom geplanten «botellón» nach spanischem Vorbild zu distanzieren. Am frühen Dienstagabend aktualisierte er seinen Eintrag dahingehend, er ziehe sich als sogenannter Organisator der Veranstaltung zurück. Die Medien hätten aus einem ursprünglich geplanten friedlichen Zusammentreffen ein «Massenbesäufnis» herbeigeschrieben. Deshalb sei er in eine Situation geraten, in der er den Aufruf zum «botellón» nicht mehr verantworten könne.

    «Jetzt erst recht!»

    Die Wirkung dieses formellen Rückzugs dürfte begrenzt sein. Inzwischen haben sich über 5200 Personen der Internet-Gruppe angeschlossen. Zusätzlich hat die flächendeckende Berichterstattung in den Medien die Bekanntheit vervielfacht. In ersten Kommentaren auf Facebook als Reaktion auf die formelle Absage war vor allem eine Stimmung im Sinne von «Jetzt erst recht!» herauszulesen. Die Stadtpolizei wird sich weiterhin Gedanken machen müssen, wie sie eine vermutlich ablehnende Haltung des Stadtrats umsetzen soll.

    Nach einer ersten schlechten Erfahrung Mitte Juli hat die Genfer Polizei am vergangenen Freitag einen zweiten «botellón» verhindert, indem sie den Parc des Bastions sperrte. Im Fall der Blatterwiese dürfte dies schwieriger sein, weil sich das Geschehen einfach auf ein benachbartes Areal verlagern dürfte. Immerhin sind die Zürcher Behörden nicht allein mit der neusten Herausforderung. Neben einem weiteren Aufruf für Genf sind inzwischen auch Pläne für ein organisiertes Rauschtrinken in Lausanne, Bern und Biel bekanntgeworden.

     


    . Lesen Sie mehr zum Thema Bern: Behörden wollen «botellón» verhindern
    Link: http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/das_phaenomen_des_botellon_erreicht_die_stadt_bern__1.810646.html

    .
    Leserkommentare ein- und ausblenden Leser-Kommentare: 14 Beiträge
    .
    .
    .
    Um selbst einen Leser-Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich hier anmelden. Bitte beachten Sie die für Leser-Kommentare geltenden Richtlinien und Copyright-Bestimmungen.