Mittwoch, 07. Januar 2009, 09:29:30 Uhr, NZZ Online
Illegaler Datenhandel in Deutschland weitet sich aus
(sda)/uhg. In Deutschland sind laut Datenschützern die Adressen praktisch aller Bürger für Marketingzwecke im Umlauf. Die Daten werden vor allem für den Telefonverkauf, für Glücksspiele und Preisausschreiben sowie bei Verkaufsbörsen im Internet genutzt. Zwar ist ein Grossteil der Daten legal erfasst, aber die Hinweise auf trübe Geschäfte mehren sich.
So vagabundierten derzeit illegal «etwa zehn bis zwanzig Millionen Kontodaten», sagte der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz in Schleswig-Holstein (ULD), Thilo Weichert, der «Süddeutschen Zeitung» vom Mittwoch. Sie würden vor allem von Call Centern für dubiose Geschäftspraktiken genutzt.
Bei der Aufdeckung des Skandals um den millionenfachen Handel mit teilweise gestohlenen Daten stünden die Behörden erst am Anfang. «Wir sehen jetzt immer mehr von der Spitze des Eisbergs», sagte Weichert.
Für den Sprecher der SPD-Fraktion im deutschen Bundestag, Dieter Wiefelspütz, ist der Datenmissbrauch vor allem ein Problem der Privatwirtschaft. «Big Brother lauert eher in der Privatwirtschaft als bei Vater Staat», sagte er der «Passauer Neuen Presse». «Der Staat ist sauber, Teile der Privatwirtschaft leider überhaupt nicht.»
Diese Einschätzung wird aber nicht von allen Datenschützern geteilt. So hat der Kieler Konsumentenschützer Thomas Hagen Indizien gefunden, wonach selbst unter den Behörden ein illegaler Datenhandel stattfindet. Wenn man beim TÜV ein Auto anmelde, stehe nach kurzer Zeit der GEZ, der Eintreiber der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, vor der Tür und prüfe die Anmeldung des Autoradios.
Grundsätzlich ist in Deutschland die Weitergabe von Daten, auch gegen Geld, erlaubt. So dürfen zum Beispiel Medienverlage Kundendaten der Werbung oder der Marktforschung zur Verfügung stellen, wenn sie sich auf bestimmte Personengruppen bezieht. Weitergegeben werden dürfen Name, Adresse und Geburtsjahr.
Nicht weitergegeben werden dürfen dagegen persönlichere Daten wie Telefon, Email oder gar die Kontoverbindungen. Allerdings können auch solche Daten legal weitergegeben werden, nämlich dann, wenn der Kunde eine Einwilligung im «Kleingedruckten» unterschreibt. Dies geschieht gerade im Internethandel oft, ohne dass sich der Betroffene über die Folgen klar ist.
CD-Fund:
Kontodaten von 17'000 Bankkunden
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