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  • 20. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    2,6 Milliarden Menschen ohne Toilette

    2,6 Milliarden Menschen ohne Toilette

    Die Weltwasserwoche beleuchtet den «grössten Skandal der Welt»

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    40 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu eigenen Toiletten. Die mangelhafte sanitäre Versorgung geht einher mit Armut und Hunger und führt zu Krankheiten und Tod, weshalb die Weltwasserwoche in Stockholm den «grössten Skandal der Welt» thematisiert.

    I. M. Stockholm, 19. August

    So selbstverständlich der Toilettenbesuch in der westlichen Welt ist, so tabu ist es, darüber zu sprechen. Und ebenso selten wird darüber reflektiert, dass die Menschen in vielen Entwicklungsländern ohne eigene sanitäre Einrichtungen auskommen müssen. Die jährlich in Stockholm stattfindende Internationale Weltwasserwoche hat die mangelhafte sanitäre Versorgung deshalb zu einem ihrer Hauptthemen gemacht. Auch die Uno macht auf die Problematik aufmerksam, indem sie 2008 zum Jahr der sanitären Grundversorgung ernannt hat.

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    Täglich sterben 5000 Kinder

    Die Statistiken sprechen eine erschreckende Sprache: Weltweit müssen 2,6 Milliarden Menschen oder 40 Prozent der gesamten Bevölkerung ohne angemessene sanitäre Anlagen auskommen. Betroffen sind vor allem Menschen in Afrika südlich der Sahara sowie in Südostasien. Täglich sterben 5000 Kinder an Durchfall; pro Jahr kosten Durchfallerkrankungen rund 1,8 Millionen Menschen das Leben. Zudem gehen in Entwicklungsländern jährlich 5 Milliarden Arbeitstage und 443 Millionen Schultage verloren wegen Krankheiten, die durch mangelhafte Hygiene und fehlenden Zugang zu Wasser verursacht werden.

    Der Missstand könnte mit vorhandenen Konzepten, erprobten Technologien und vor allem mit vertretbaren Investitionen behoben werden. Laut Berechnungen von Unicef und der WHO würden 9,5 Milliarden Dollar jährlich genügen, um die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sanitären Einrichtungen bis 2015 zu halbieren. Ab 2025 müsste niemand mehr auf eigene Toiletten verzichten, wenn ein Drittel des Geldes, mit dem heute abgefülltes Trinkwasser gekauft wird, oder ein Prozent der weltweiten Militärausgaben in sanitäre Einrichtungen investiert würde. Dies wiederum trüge dazu bei, Armut, Hunger sowie Mütter- und Kindersterblichkeit zu vermindern, den Zugang zu Bildung und die Geschlechtergleichheit hingegen zu fördern.

    Frauen besonders betroffen

    Mangelhafte sanitäre Einrichtungen stellen für Frauen und Mädchen ein besonderes Problem dar, wie an der Weltwasserwoche dargelegt wurde: Die auf die Dunkelheit verlegte Verrichtung ihrer Notdurft setzt sie Gefahren und Übergriffen aus. Fehlende Toiletten halten Mädchen vom Schulbesuch ab. Und die Pflege von Familienmitgliedern, die wegen mangelnder Hygiene erkrankt sind, hält Frauen von der Erwerbsarbeit und andern Aufgaben ab. Ebenso wie das Warten vor öffentlichen Toiletten oder die Suche nach einem stillen Örtchen irgendwo im Freien.

    Am Dienstag orientierte der in Genf stationierte Rat für Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Stockholm über den neu geschaffenen «Global Sanitation Fund». Der bisher von den Regierungen der Niederlande, Schwedens, Grossbritanniens und der Schweiz unterstützte Fonds will nationale Projekte zur Verbesserung der sanitären Einrichtungen und der Hygiene in armen Ländern mit jährlich mindestens 100 Millionen Dollar mitfinanzieren. Allerdings sind gegenwärtig erst die Hälfte dieser Mittel zugesagt worden, obwohl die Investitionen äusserst effizient sind. Die Weltgesundheitsorganisation hat errechnet, dass jeder Dollar, der in die Verbesserung der sanitären Versorgung investiert wird, einen wirtschaftlichen Nutzen von sieben Dollar erzielt.


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