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  • 19. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Warten auf das finanzielle Feuerwerk in China

    Warten auf das finanzielle Feuerwerk in China

    Westliche Videospielehersteller wollen im chinesischen Game-Markt Fuss fassen

    Paris unter Beschuss: «Tom Clancy's Endwar» wurde in den Shanghai Studios von Ubisoft entwickelt. Paris unter Beschuss: «Tom Clancy's Endwar» wurde in den Shanghai Studios von Ubisoft entwickelt. (Bild: PD)
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    mdb. Von seinem Büro im 42. Stock geniesst Yannick Theler eine atemberaubende Aussicht über Schanghai. Der Schweizer kam vor zwei Jahren in die boomende Metropole. Er suchte nach seinem MBA eine neue Herausforderung und fand sie bei seinem angestammten Arbeitgeber Ubisoft, aber eben in China. Ubisoft, den führenden Videospielehersteller Europas, zog es zu Beginn aus wirtschaftlichen Überlegungen ins Reich der Mitte. Routinearbeiten wurde an die günstigen, aber qualifizierten Arbeitskräfte ausgelagert. Das war vor 10 Jahren. Seit geraumer Zeit werden in den abgedunkelten Räumen des Schanghai-Studios international erfolgreiche Games wie «Splinter Cell: Double Agent» mitentwickelt und neuerdings auch von A bis Z umgesetzt, wie das Beispiel von «Tom Clancy's Endwar» zeigt. Internationale Stardesigner – im Falle des Echtzeitstrategie-Titels ist es Michael De Plater – begleiten Projekte vor Ort während vieler Jahre und teilen ihr Know-how mit den gut 90 Prozent chinesischen Mitarbeitern. «Wir hoffen natürlich, dass einmal ein Chinese in seine Fussstapfen treten wird», sagt Yannick Theler.

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    Aber im Vergleich zu Japan, wo Loyalität zur Firma grossgeschrieben wird, fühlen sich Chinesen in der Regel weder einer Marke noch einem Arbeitgeber sonderlich verbunden. So gehört es zu Ubisofts Sorgen, die gegenüber der Konkurrenz einen massgebenden zeitlichen Vorsprung mit ihrem China-Engagement hat, dass die von ihnen ausgebildeten Programmierer und Designer für ein paar Yuan mehr einfach abspringen könnten. Denn das Ziel von westlichen Firmen wie Ubisoft, Electronic Arts und Activision, die allesamt Studios in China betreiben, ist es letztlich, auch Spiele für den lokalen Markt zu produzieren und ins Online-Geschäft einzusteigen. «Jährlich werden in China über eine Milliarde Dollar mit Games online umgesetzt, Tendenz steigend», weiss Theler.

    Doch um in diesem wachsenden Markt Fuss fassen zu können, müssen dessen Charakteristika verstanden werden. So sind – ganz anders als im Westen – Konsolenspiele praktisch «non-existent». Nebst dem, dass sich für die Spielehersteller ein grassierendes Piraterieproblem stellt, besteht von chinesischer Seite kein Interesse daran, das florierende Online-Geschäft zu gefährden. «World of Warcraft ist sehr beliebt in China. Es ist das einzige westliche Spiel, das hier funktioniert», erklärt Theler. Chinesen schätzen primär simple Szenarien. Sie mögen sich nicht einarbeiten, sondern wollen nach ein, zwei Minuten ihren Spass haben und sich online mit ihren Freunden treffen und unterhalten.

    Galt lange Zeit das Subskriptionsmodell mit monatlichen Abonnementsgebühren als das erfolgversprechende Geschäftsmodell, werden nun Szenarien in Betracht gezogen, bei denen die Spiele nicht nur kostenlos abgegeben werden, sondern auch gratis gespielt werden können. Verdient wird mit dem Verkauf von Gegenständen und mit Upgrades wie besserer Munition, stärkeren Rüstungen oder schöneren Kostümen. Rechnet sich das? «Fürs chinesische Neujahr verkaufte der lokale Hersteller Netease im populärsten Online-Spiel Westward Journey für eine Million Dollar virtuelles Feuerwerk pro Tag», sagt Yannick Theler mit einem Lächeln. Nach dem Nutzen für den Spieler befragt, antwortet Theler: «Es ist eine Frage des Prestiges.»

     


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