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  • 19. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    love.me or kill.me

    love.me or kill.me

    Spekulieren mit Domain-Namen

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    set. Seit September 2007 ist Montenegro eine eigene Grösse im internationalen Staatenbund. Als Folge der Unabhängigkeit von Serbien haben die Montenegriner eine eigene Zone im Adressensystem des Internets erhalten, eine sogenannte Top-Level-Domain (TDL). Erst seit rund einem Monat steht die Registrierung von Domain-Namen jedermann offen, und schon wurde letzte Woche die Marke von 100 000 Adressen erreicht. Das ist ein verblüffender Erfolg angesichts einer Bevölkerung von 620 000 Einwohnern. Pro Kopf sind das 0,16 Web-Adressen. In der Schweiz sind es nur deren 0,14, bei einer Registrationszeit von 13 Jahren. Doch die Rechnung hat einen Haken. Obschon der schöne Flecken Erde mit Meeranstoss an der Peripherie Europas liegt und weit weg von den USA, haben sich Ausländer geradezu auf die Web-Adressen des Kleinstaates gestürzt. Das hat einen einfachen Grund. Während nach der Auflösung der Domain «.ju» der ehemalige Bruder Serbien von der Internet-Regulierungsbehörde Icann die Adressenzone «.rs» zugesprochen erhielt, hat Montenegro mit «.me» das grosse Los gezogen, vergleichbar mit der TDL «.tv» des polynesischen Inselstaates Tuvalu.

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    Die Endung erlaubt eingängige Adressen wie call.me, mail.me oder love.me. 2600 solche Kombinationen sind noch gesperrt und werden später in einer Auktion versteigert. In der Liste der Premium-Adressen findet man auch allerlei abstruse Beispiele wie hate.me, kill.me, eat.me oder microwave.me. Viele der 100 000 bereits registrierten «.me»-Adressen werden allerdings im Web zunächst nicht aktiv sein. Wie bei jeder Einführung einer neuen TDL haben sich auch jetzt Adressenpiraten attraktiv scheinende Domains geschnappt, um diese später für viel Geld zu verhökern. Längere Zeit war es ruhiger um die Adressenhändler, jetzt werden wieder verwunderliche Zahlen herumgeboten. So erzählte kürzlich ein Besucher an einem Treffen von Startup-Unternehmen in Zürich, seine Firma habe für einige tausend Dollar die Adresse yes.com gekauft, wenige Monate später habe jemand 1,5 Millionen Dollar dafür geboten.

    Viel Geld für drei Buchstaben. Da hat Google schon fast ein Schnäppchen gemacht, wenn das Gerücht stimmt, die Firma habe für die vier Buchstaben ihres neuen Wissensportals knol.com eine Million Dollar bezahlt. Icann hat kürzlich entschieden, die Adressenzonen zu erweitern und Endungen wie «.berlin» oder «.money» zuzulassen. Diese sollen aber nur für viel Geld zu kriegen sein, man spricht von sechsstelligen Beträgen. Gespannt sein darf man, wie viel an der Auktion für die montenegrinischen Top-Adressen hingeblättert wird. Zum Beispiel für das «Four-Letter-Word», das mit f anfängt und ck endet, das ebenfalls versteigert wird. Als ich neulich einem Freund von dem Adressenhandel erzählte, meinte er genervt: «Lass mich doch in Ruhe mit diesen bescheuerten Internet-Geschichten!» Mit dieser Meinung steht er nicht allein da – jemand hat die Adresse dontbother.me bereits gebucht.

     


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