Mittwoch, 07. Januar 2009, 03:53:18 Uhr, NZZ Online
Von Felix Raymann
Audio-Bücher sind des Buchhandels liebstes Kind. Und jetzt kann man sie immer öfter auch direkt aus dem Internet beziehen, statt eine CD im Laden zu kaufen. Die MP3-Dateien aus dem Web verwandeln den digitalen Musikplayer oder das Handy innert Minuten in einen unterhaltenden Vorleser von Romanen, Erzählungen, Sach- oder Reisebüchern, Krimis und sogar Kochbüchern.
Neben etablierten Buchhändlern wie Orell Füssli, der über Books.ch Hörbücher vertreibt, oder dem Download-Shop von Ex Libris gibt es mittlerweile auch reine Online-Anbieter wie Audible.de, die Bücher und Zeitschriftenartikel ausschliesslich als Tondatei in den virtuellen Regalen feilbieten. Das Angebot an digitalen Wälzern ist zwar immer noch deutlich kleiner als bei den herkömmlichen Büchern, doch finden sich allein bei Audible immerhin schon über 25 000 Produkte.
Manche Hörbuch-Bestseller gibt es bereits ab 5 Euro, die meisten kosten aber mehr: So bezahlt man für Stephen Kings «Dreamcatcher» 35 Euro und für Franz Hohlers Roman «Es klopft» 18 Euro. Immerhin liest hier der Autor sein Werk persönlich vor.
Wer Geld sparen will, wendet sich an Vorleser.net. Hier gibt es kostenlose Literatur-Klassiker von 150 Autoren zum Download. Darunter finden sich Werke von Franz Kafka, Oscar Wilde oder Kurt Tucholsky, die von professionellen Sprechern vorgetragen werden. Die Literatur auf Vorleser.net kann deshalb gratis angeboten werden, weil die Rechte an den Werken erlöschen, wenn ein Autor vor mehr als 70 Jahren gestorben ist.
Da bei Vorleser.net sämtliche Inhalte im MP3-Format vorliegen, können sie mit jedem digitalen Musikplayer und vielen Handys abgespielt werden. Audible hingegen bietet seine Bücher in einem eigenen Dateiformat an, das mit Kopierschutz-Mechanismen versehen ist und nicht auf allen Audioplayern läuft. Bei anderen Anbietern wie Orell Füssli oder Ex Libris stehen die Hörbücher üblicherweise in den Formaten WMA, MP3 oder auch AAC zur Verfügung. Wegen der verschiedenen Formate und des Kopierschutzes sollte man sich wie beim Downloaden von Musik auch bei den Hörbüchern vor dem Herunterladen vergewissern, dass der eigene Player das vom Online-Anbieter verwendete Format abspielen kann. Mit dem iPod lassen sich kopiergeschützte WMA-Dateien beispielsweise nicht abspielen.
Hörbücher können sogar als Podcasts kostenlos abonniert werden, wie die Mitte Mai aufgeschaltete Website Mein-Lesezeichen.ch zeigt. Bei diesem Podcast-Service der Schweizerischen Blinden-Bibliothek erscheinen regelmässig Kurzgeschichten von Peter Stamm, Adolf Muschg oder Milena Moser und anderen Autoren. Audio-Literatur im Abonnement gibt es auch bei Literatur-Podcast.de, von wo automatisch einzelne Kapitel von Kafka, Zola oder Cervantes auf den Musik-Player gespült werden. Jede Woche kommt eine neue Episode hinzu. Wahlweise kann man die einzelnen Kapitel aber auch von der Webseite auf den PC herunterladen.
Um die einzelnen Folgen eines Podcasts automatisch zu erhalten, benötigt man ein Podcast-Programm. Sehr einfach klappt der automatische Download mit der Apple-Software iTunes. Aber auch Programme wie Juice (früher bekannt unter dem Namen iPodder) oder Primetime Podcast Receiver sind praktische PodcatcherProgramme. Wer den Winamp-Player installiert hat, kann auch damit Podcasts abonnieren. Der entsprechende Eintrag findet sich im Menu «Medienbibliothek / Podcast-Verzeichnis / Abonnements».
Der Vorteil von iTunes ist seine grosse Verbreitung. Mittlerweile ist die Apple-Software zu einem Quasi-Standard für Podcasts geworden, so dass die meisten Anbieter auf ihrer Website einen Link anbieten, über den man mit einem Klick ein iTunes-Abo auslösen kann. Mit anderen Podcatchern muss fürs Abo eine Internetadresse (URL) kopiert und in den Podcatcher eingesetzt werden, was ebenfalls keine grosse Hürde darstellt.
Während iTunes multifunktional ist und auch als Musikplayer, Brenn-Software und Schnittstelle zum Apple-Online-Shop dient, ist Juice ein reines Podcast-Programm und läuft wie iTunes auf Windows und Mac. Eine Linux-Version ist in Vorbereitung. Da Juice nicht an eine bestimmte Gerätemarke gebunden ist (wie iTunes an den iPod), lassen sich die Podcasts auf jeden MP3-Player überspielen.
Statt über einen ADSL- oder Kabel-Internetanschluss kann man neue Podcast-Folgen inzwischen auch direkt mit dem Mobiltelefon empfangen. Dabei ist je nach Mobilfunkvertrag allerdings Vorsicht geboten, weil die Datenübertragung schnell sehr teuer werden kann. Bei Mein-Lesezeichen.ch macht die Swisscom immerhin eine Ausnahme: Diesen Podcast können Swisscom-Kunden direkt auf ihr Handy herunterladen, ohne für den Datentransfer bezahlen zu müssen.
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