[Alt + 1] zur Startseite [Alt + 2] zum Seitenanfang [Alt + 3] zur allgemeinen Navigation [Alt + 4] zur Hauptnavigation [Alt + 5] zum Inhalt [Alt + 6] zu Tipps, Hinweise und Kurzinfos [Alt + 7] zur Suche [Alt + 8] zum Login von MyNZZ [Alt + 9] zur Fusszeile
.
  • 20. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Der Hauptbahnhof als Opernbühne

    Der Hauptbahnhof als Opernbühne

    Das Schweizer Fernsehen inszeniert am 30. September live Giuseppe Verdis «La Traviata»

    Das Gesangsduo Eva Mei und Vittorio Grigolo. Das Gesangsduo Eva Mei und Vittorio Grigolo. (Bild: PD)
    Toolbox
    Druckansicht
    Zusammen mit dem Zürcher Opernhaus inszeniert das Schweizer Fernsehen Verdis «La Traviata» im Hauptbahnhof. Die Oper wird am 30. September direkt von SF 1, TSI, HD suisse und Arte übertragen.

    ras. Ein medientechnisches Kunststück versucht das Schweizer Fernsehen (SF) am Dienstag, dem 30. September: Es überträgt ab 20 Uhr eine Opernaufführung aus dem Hauptbahnhof. In der grossen Halle, in den Restaurants der Seitentrakte und auf den Perrons wird dann Giuseppe Verdis «La Traviata» gespielt. Chor und Orchester des Opernhauses machen mit, wobei die Gesamtleitung bei SF liegt. Felix Breisach führt die Fernsehregie, der ehemalige SF-Kulturchef Adrian Marthaler besorgt die szenischen Arrangements im Bahnhof. In den Hauptrollen singen Eva Mei, Vittorio Grigolo und Angelo Veccia. Dirigent ist Paolo Carignani.

    Anzeige
    .
    .

    Im Bahnhof wird allerdings keine künstliche Opernwelt aufgebaut, vielmehr dient die natürliche beziehungsweise alltägliche Kulisse des öffentlichen Knotenpunkts als Hintergrund der Aufführung. Es handelt sich insofern um ein offenes Kunstwerk, das Interaktionen oder Interferenzen zwischen Opern- und Werktagsleben nicht ausschliesst. Durchsagen, quietschende Bremsen oder allenfalls vor den Kameras Grimassen schneidende Passanten werden mit übertragen. Es gehe darum, «zu sehen, was passiert, wenn eine Oper wie ein Meteorit in das Alltagsgefüge eines Bahnhofs einschlägt», sagt Marthaler. «Wir arbeiten mit dem Material, das der Bahnhof zur Verfügung stellt.» So wird die Sterbeszene am Schluss in einen Krankenwagen verlegt, der immer am Bahnhof bereitsteht.

    Die gesamte Opernaufführung wird nur der Zuschauer zu Hause mitverfolgen können. Im Hauptbahnhof dürfte teilweise bloss ein Schattenboxen zu sehen sein, da Orchester und Sänger manchmal weit voneinander entfernt sind und die Standorte der Akteure wechseln. Entsprechend komplex gestalten sich die Aufführungsbedingungen. So kommen an diversen Stellen «Subdirigenten» zum Einsatz, welche über einen Monitor mit dem Dirigenten in Kontakt stehen und mit dem Orchester über Kopfhörer verbunden bleiben. Auch die Akustik der Bahnhofshalle entspricht nicht wirklich der Qualität eines Opernhauses oder einer Tonhalle. «Nur schon tontechnisch ist das eine Riesenherausforderung», sagt Marthaler. Perfektion darf man darum sicher nicht erwarten. Sensible Opernohren wird man mit der Aufführung eher nicht begeistern können.

    Motiviert zu dieser Kulturvermittlung der spektakulären andern Art wurde SF durch die erfolgreiche Übertragung der «Zauberflöte auf zwei Kanälen», aber auch durch die BBC, welche kürzlich Opernarien und Chorwerke in der Londoner Paddington-Station aufführte. Wenn SF mit dieser Aufführung gleichzeitig seine medientechnische Virtuosität inszenieren will, steht es vor einem schwer lösbaren Problem: Läuft alles (fast) perfekt, wird der Zuschauer die Leistung als Selbstverständlichkeit hinnehmen; geht etliches schief, wird vor allem reklamiert. Der alternative Kulturvermittler muss also demütig bleiben.

     

    Zürich, Hauptbahnhof, am 30. September direkt auf SF 1, TSI, HD suisse und Arte.
    .
    Leserkommentare ein- und ausblenden Leser-Kommentare: 0 Beiträge
    .
    Um selbst einen Leser-Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich hier anmelden. Bitte beachten Sie die für Leser-Kommentare geltenden Richtlinien und Copyright-Bestimmungen.