Dienstag, 06. Januar 2009, 14:48:18 Uhr, NZZ Online
Erstmals Zeitrahmen genannt - Plünderungen in Schwarzmeerhafen
(ap) Medwedew sagte laut Kreml dem französischen Staatspräsidenten Sarkozy in einem Telefonat zu, dass sich die russischen Truppen bis Freitag in das abtrünnige Südossetien und eine 1999 eingerichtete «Sicherheitszone» zurückziehen würden. Russland werde sich an die Vereinbarungen in dem von Frankreich vermittelten Waffenstillstand halte, teilte das Präsidialamt in Moskau mit.
Moskau hatte den Abzug seiner Streitkräfte bereits am Montag angekündigt, zunächst jedoch kaum Taten folgen lassen. Einen Zeitrahmen für einen kompletten Rückzug hat Russland bisher nicht genannt. Die Nato hatte am Dienstag ihre Zusammenarbeit mit Russland vorerst auf Eis gelegt und eine Wiederaufnahme vom russischen Abzug aus Georgien abhängig gemacht.
Der Chef des georgischen Sicherheitsrates erklärte am Dienstag, 15 gefangene Georgier und fünf Russen seien ausgetauscht worden. Damit habe Russland nun keinen Vorwand mehr, noch länger Stellungen in der Ortschaft rund 50 Kilometer westlich der georgischen Hauptstadt Tbilissi zu halten. Bereits zuvor verliess eine russische Panzerkolonne die Stadt Gori im georgischen Kernland. Ausserdem stimmte Moskau der Entsendung weiterer OSZE-Militärbeobachter zu und tauschte Gefangene mit Tiflis aus.
Im Schwarzmeerhafen Poti im Westen Georgiens allerdings zerstörten und plünderten russische Soldaten offenbar weiteres georgisches Militärgerät und nahmen 20 Soldaten als Gefangene, die mit vorgehaltener Pistole und verbundenen Augen in russischen Militärfahrzeugen abtransportiert wurden. Eines der modernsten Schiffe der georgischen Marine, die «Dioskuria», wurde von den russischen Streitkräften ausser Sichtweite gebracht. Kurze Zeit später war eine laute Explosion zu hören.
Der Bürgermeister von Poti sagte, die russischen Truppen hätten 22 georgische Soldaten und Polizisten festgenommen, da diese russischen Panzerfahrzeugen die Zufahrt in den Hafen verwehrt hätten. Die Festgenommenen seien auf den nahe gelegenen Militärstützpunkt Senaki gebracht worden, der inzwischen von den russischen Streitkräften kontrolliert werde. Später gab es widersprüchliche Berichte über eine mögliche Freilassung der Soldaten.
Kommentar:
Kontraproduktive Muster
Russland:
Scharfe Kritik an Nato
Nato:
Moskau nicht gänzlich isolieren
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